Lehmofen - Bauanleitung

Gut ist immer, wenn man ein paar nette Bekannte hat, weil man nicht grundsätzlich alle Geräte selbst besitzt und eine helfende Hand oder ein zündender Gedanke sehr nützlich sind.

Da die Arbeit der Ziegelherstellung recht aufwendig ist, können eigentlich gar nicht genug Leute dabei sein. Mit fünf Leuten ist das aber leicht in einem halben Tag zu machen.

Für alles was ich mache und für fast alles im ganzen Leben gibt es immer mehrere Möglichkeiten. Deswegen soll diese Anleitung auch mehr Anregung sein. Bleibt immer flexibel und probiert ruhig auch andere Methoden aus.

Für einen Ofen mit einem Durchmesser von etwa einem Meter und einer Höhe von etwa 80 cm werdet ihr folgende Dinge benötigen:

Material

was

wie viel

woher

 

Lehm

max. ½ Kubikmeter

Ziegelei, Lehmgrube

 

Stroh

1 Ballen

Bauer

 

Sand

max. ¼ Kubikmeter

Ziegelei, Lehmgrube

 

Sägemehl

max. ¼ Kubikmeter

Zimmerei, Schreinerei, Sägewerk etc.

 

Wasser

 

 

 

Schamottsteine

für 1 x 1 Meter Fundament

Baumarkt, Baugeschäft

 

Grober Kies

max. ¼ Kubikmeter

Kieswerk, Schutthalde

 

Latten / Äste

ca. 20 für Kuppelbau

 

 

Blumentöpfe

2 bis 3

 

Optional

Tür + Rahmen

 

Schlosserei

 

 

 

 

Hilfsmittel

Baukübel

mindestens 3

 

 

 

Schaufel

 

 

 

Große Plastikfolie

 

 

 

(Plasik-) Schüsseln zum Kneten

 

Optional

Häcksler

 

Bspw. Gartenbauverein

 

Anhänger

 

 

 

Gießkanne

 

 

Lehm und Sand besorgt ihr euch aus einer Ziegelei, gibt’s meistens kostenlos, einfach freundlich anfragen und euer Vorhaben erklären.

Dazu wäre ein Anhänger nicht schlecht, geht aber auch mit nem Kombi. Ein netter Arbeiter wird euch wahrscheinlich sogar mit einem Schaufler behilflich sein. Lasst euch das nen Fünfer wert sein und ihr seid jederzeit gern wieder gesehen. Wenn’s eine Lehmgrube in der Nähe gibt, tut’s natürlich auch die.

Auch Stroh und Sägemehl gibt’s in der Regel auf freundliche Anfrage kostenlos.

Das Stroh muss auf jeden Fall noch zerkleinert werden. Wenn ihr die Möglichkeit habt, leiht euch dafür einen Häcksler aus. Vorsicht mit dem Ding und lasst die Kids nicht ran.

Notfalls könnt ihr das Stroh auch mit Messer oder Machete bearbeiten, ist allerdings aufwendig.

Falls ihr an Stelle von Sägemehl nur Sägespäne ergattern konntet, müssen diese auch noch zerkleinert werden.

Vor der Ziegelherstellung muss der Lehm auf- bzw. eingeweicht werden. Das geht am besten in einem Baukübel. Nehmt dazu aber lieber öfter kleinere Mengen, ist effektiver.

Da immer Klumpen drin sind, muss viel geknetet werden. Probiert’s mal mit den Füßen, ist echt lustig.

Die Ziegel bastelt ihr in der Mischung: 2 Teile Lehm (den nehmt Ihr aus dem Aufweichkübel, mehr Wasser braucht’s jetzt nicht mehr), 1 Teil Stroh, 1 Teil Sägemehl und 1 Teil Sand.

Da sich der Vorgang des Ziegelknetens über einen längeren Zeitraum hinziehen wird, schleicht sich früher oder später ein Schlendrian mit der genauen Mischung ein. Das wird die Qualität des Ofens nicht beeinträchtigen.

Zudem ist es einfacher, wenn jeder in einem eigenen Behälter (Mamis Salatschüssel) knetet, anstatt die ganze Masse in einem großen Bottich anzumachen.

Die Ziegel sollten etwa die Größe eines Backsteins haben

Das Gefühl für die Konsistenz  stellt sich ganz automatisch ein. Achtet am Anfang darauf, dass die Ziegel nicht zu feucht sind.

Die Ziegel lasst ihr, am besten auf einer Plastikfolie, etwa 30 bis 40 Minuten antrocknen (witterungsabhängig).

Das Fundament sollte schon vorher stehen. Schamottsteinen sind dafür ideal geeignet, sie sind ein hervorragender Hitzespeicher.
Es kann aber auch aus Lehm auf vorher gut festgestampfter Erde gemacht werden.

Empfehlenswert ist als Unterlage groben Kies zu verwenden, dann lassen sich die Steine ziemlich nahtlos in einer Ebene ausrichten. Die sehr feinen Fugen füllt ihr mit etwas Lehm aus.

Wenn ihr eine Tür habt, muss diese am Anfang mit eingebaut werden. Die Tür kann aber auch behelfsweise aus Ziegeln bestehen.

In jedem Fall, müsst ihr vorher an die Öffnung denken. Ein Rahmen dafür lässt sich leicht mit drei Brettern zimmern.

Die Größe der Tür, wenn ihr sie nicht schon vorher in einer Schlosserei habt anfertigen lassen, bestimmt ihr selbst. Obwohl eine Breite von etwa 30 cm normalerweise ausreichend ist, müsst ihr bedenken, dass dann keine Familienpizza reinpasst.

Lasst ihr euch eine Tür in einer Schlosserei machen, genügt ein Eisenrahmen mit drei Arretierungspunkten und einer genau eingepassten Eisenplatte mit Griff. Diese wird zum Backen ganz einfach in die Öffnung gestellt.

Natürlich könnt ihr euch auch ganz komfortable Sachen mit Scharnieren machen lassen. Das kostet dann ein bisschen mehr.

Falls ihr eine solche Eisenkonstruktion verwendet, lasst beim Einbau die Tür auf jeden Fall drin. Der Eisenrahmen alleine verbiegt sich sonst beim Formen des Ziegelgebildes sehr leicht. Dann gibt’s später Probleme mit der Tür.

Soll die Öffnung lediglich mit Ziegeln verschlossen werden, lasst jetzt ganz einfach die Öffnung an der dafür vorgesehenen Stelle. Wählt zum Verschließen dann die am präzisesten geformten Ziegel, damit möglichst wenig Hitze austreten kann.

Um diesen Rahmen herum wird nun der Ofen schichtweise hochgezogen. Wichtig ist jetzt, dass die einzelnen Ziegel zu einem Gesamtgebilde verschmolzen werden. Sind die Ziegel sehr feucht, lassen sie sich zwar wunderbar verkneten, Ihr habt aber dann mehr Wackelpudding. Da ihr aber schon gefühlsmäßig die richtige Verhältnismäßigkeit erzielt habt, wächst zusammen, was zusammen gehört.

Nach jeder Schicht wird der obere Rand mit Blättern abgedeckt, ausgiebig befeuchtet und ein Feuer im Innenraum des Ofens entfacht, um die jeweilige Schicht anzutrocknen.

(Apropos Feuer: habt ihr’s schon mal mit nem Brennglas, Feuerstein oder Feuerreiben versucht?)

Wenn ihr eine komplette Lage über der Ofenöffnung erreicht habt, dass wird die dritte oder vierte Schicht sein, beginnt der Kuppelbau.

Etwas einfacher als die in meiner Seite dargestellte Vorgehensweise mit den geflochtenen Zweigen ist dafür ein Unterbau aus Stroh. Jedoch solltet ihr dabei nicht den gesamten Ofen mit Stroh ausfüllen (soll ja später ausgebrannt werden und so werdet ihr euch schwer tun, das ganze Stroh erst wieder rauszuzupfen), sondern besser ist hier eine Art Tisch zu bauen. Allerdings nicht mit einer  festen Platte, sondern mit Sprossen aus Ästen oder Latten mit ausreichendem Abstand (wieder ans ausbrennen denken).

Auf diesen Tisch könnt ihr jetzt einen halben Strohballen kuppelförmig zuschneiden und habt die ideale Unterlage für die Kuppelziegel.

In der Kuppel lasst ihr zwei oder drei Rauchabzugslöcher etwa in der Größe, dass ihr sie beispielsweise mit mittleren Blumentöpfen verschließen könnt. Dafür müsst ihr hier gleich die Blumentöpfe mit einbauen, die lassen sich nach dem trocknen einfach herausnehmen.

Später bleiben dann beim Anheizen des Ofens diese Löcher offen und werden erst zum Backen verschlossen, genau wie die Tür.

Jetzt soll der Ofen noch etwa fünfmal gut angeheizt werden, dann hat er die richtige Festigkeit. Dabei auftretende kleine Risse sind normal, die spachtelt ihr einfach mit etwas Lehr zu. (Deswegen solltet ihr immer ein wenig Lehm in Reserve haben.)
Zu heftiges Anheizen kann dabei die Rissbildung fördern!

Natürlich könnt ihr die Ausbrennphasen gleich für die ersten Backversuche nutzen.

Zum Backen heizt ihr den Ofen kräftig an. Verwendet Buche, Eiche, Esche oder Ulme (na gut, über Holz schreib ich dann die nächste Abhandlung ;-))).

Nach dem Abbrennen können Asche und restliche Glut rausgekehrt, der stärkeren Hitzewirkung wegen aber besser nur an den Rand geschoben werden.

Und dann rein mit dem Backgut, also direkt auf den Stein. Den Boden leicht einmehlen erleichtert später das Lösen.

Super wäre jetzt noch ein Überbau, dann ist der Ofen immer geschützt.

Von dem, was jetzt noch an Lehm übrig ist, könnt ihr noch ein paar Gefäße, Schüsseln, Krüge etc. töpfern (immer an die Reserve denken). Lasst sie eine Tag trocknen, dann könnt ihr sie gleich im Lehmofen brennen.

Aller Anfang ist schwer, und der erste Versuch mag nicht unbedingt immer gleich gelingen.
Wer sich die einzelnen Schritte erst mal in Ruhe betrachten möchte -
>>> hier geht’s zum Anmeldeformular für den Lehmofenbaukurs.